Exkursion 2009: Nordfrankreich

1. Tag

Anreise von Aachen nach Reims, wo die insgesamt 30 Teilnehmer von Herrn Hermann Weinbuch, GF der K+S Kali France, begrüßt wurden. Nach einer Stadtführung stellte Herr Weinbuch am Abend in einem Vortrag die französische Landwirtschaft, den Agrarhandel und besonders den Düngermarkt vor. Frankreich hat nicht das Großhandelssystem wie in Deutschland, sondern die Industrien beliefern Direktkunden. Deren Zahl ist seit dem 2. Weltkrieg von 4000 auf aktuell deutlich unter 1000 gesunken. In den letzten Jahren verstärken sich bei den Genossenschaften wie auch beim Landhandel die regionalen Zusammenschlüsse, so dass teils auch schon von Großhandelsstrukturen gesprochen werden kann.
Wie in den nächsten Tagen noch bei vielen besichtigten Unternehmen deutlich wurde, gibt es in Frankreich auch eine Entwicklung zur losen Düngerkette, aber es wird erstaunlich viel in Big Bags mit 600 kg gehandelt. Ein weiterer Unterschied zwischen beiden Ländern ist der in Grenznähe Wettbewerbs verzerrende Mehrwertsteuersatz von 5,5% auf Agrarprodukte in Frankreich. Herr Weinbuch, der seit vielen Jahren in Frankreich tätig ist und lebt, begleitete die Gruppe auch in den folgenden Exkursionstagen im Bus. Er hatte die Informationsfahrt teils mit vorbereitet, konnte noch viel über Land und Leute erzählen und an Besichtigungsstationen als Dolmetscher hilfreich sein.

2. Tag

Nach der Besichtigung der Schlossanlage von Versailles ging die Fahrt in den Hafen von Rouen. Dieser liegt 100 km von der Kanalküste als Seehafen an der Seine. Bedingt durch das landwirtschaftlich geprägte Hinterland ist Rouen ein bedeutender Umschlagsplatz für Getreide und Düngemittel. Wie die Hafenverwaltung berichtete, werden außerdem große Mengen an Rohöl und Papier gelöscht.
Anschließend wurde bei Sea-Invest, einer belgischen Firma, die seit 1990 in Frankreich tätig ist, das Düngerlager mit Mischanlage besichtigt. In 12 Düngerboxen können 50000 t gelagert werden. Der in der Halle installierte Trommelmischer hat eine Stundenleistung von 60 t. Jährlich werden bis zu 250000 t Dünger umgeschlagen.

3. Tag

In Caen Empfang bei der Genossenschaft Agrial durch Herrn Chabbert (Afcome Mitglied). Das Düngerlager im Hafen wurde 1999 für 25000 t errichtet und durch 2 Trommelmischer und eine Absackanlage für 600 kg Big Bags mit 1200 t Tagesleistung ergänzt. Durch die Behandlung der Dünger im Mischer mit heißem Wachs treten bei Zwischenlagerung bis 3 Monate keine Probleme auf. Agrial in Caen schlägt insgesamt 100000 t Dünger um. Jeweils 50% geht als Einzeldünger und als Mischung an die Landwirtschaft. Mit 150 Lägern macht die Genossenschaft bei 7000 Mitgliedern einen Umsatz von 2 Mrd. €. In 3 Kraftfutterwerken wird Futter für die Rindvieh-, Schweine- und Geflügelhalter produziert.
Der anschließend besichtigte landwirtschaftliche Betrieb war beispielhaft für die Region.240 ha Ackerland, 25 ha Grünland. Als Sonderkulturen wurden 15 ha Chiroree, 9 ha Bohnen und 19 ha Lein angebaut. Die Hauptfrucht war Winterweizen mit 150 ha. Das Ertragsniveau lag bei ca. 90dt/ha. Die Grunddüngung erfolgte alle 2 Jahre. Die N-Düngung mit AHL wurde bei S-Mangel durch S-haltige N-Dünger ergänzt.
Weiterfahrt über Mount Saint Michel nach St. Malo.

4. Tag

Besichtigung TIMAC (Groupe Roullier) Düngerwerk in St. Malo. 1984 war das Gründungsjahr für Timac in Deutschland. Inzwischen sind über 160 Mitarbeiter in Fachberatung und Vertrieb tätig. Groupe Roullier wurde 1959 von Daniel Roullier gegründet und machte 2008 weltweit einen Umsatz von über 2 Mrd. €. Das Werk in St. Malo produziert in einer Anlage Algentrockenmehl und stellt vorwiegend in Kombination mit Harnstoff, DAP und Kali ca. 400000 t Granulat- und 50000 to Standartdünger her. 80% des Düngers wird in Big Bag abgefüllt und zu 90% mit dem LKW und 10% mit dem Schiff weiter transportiert. Neben der Düngerfabrik konnten wir abschließend auch die moderne Anlage zur Produktion von Minerallecksteinen, speziell an die Bedürfnisse der verschiedenen Tierarten angepasst, besichtigen. Nach der Stadtführung in St. Malo und der Zwischenstation in Bayeux, wo wir den weltbekannten, 70 m langen Leinenteppich, der die Geschichte der Eroberung Englands durch den Normannen Wilhelm den Eroberer im Jahr 1066 darstellt, wurden wir abends von Frau Volkstädt, ICL Fertilizers Ludwigshafen, über Produkte und Firma informiert.

5. Tag

Rückfahrt von Peronne nach Aachen.

Allen Firmen und Mitarbeitern. die uns durch ihre Führungen, Besichtigungen, Vorträge und freundliche, großzügige Einladungen unterstützt haben, ein herzliches Dankeschön.

Bildergalerie:

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