Pflanzenproduktion ohne Agrarchemie?


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Im Zusammenhang mit der agrarpolitischen „Wende" von Frau Bundesministerin Künast wird immer wieder auf die Vorteile einer Pflanzenproduktion ohne Einsatz von Agrarchemikalien hingewiesen. Es mag sein, daß einige Verbraucher diejenigen pflanzlichen Produkte vorziehen, die ohne Agrarchemikalien erzeugt wurden. Denn die Verbraucher reagieren stark gefühlsbetont, zumal das Wissen um die fachlichen Zusammenhänge oft fehlt. Wenn man nun aber Gefühle mal beiseite lässt: was spricht dann wirklich für den Verzicht auf Agrarchemikalien. Dabei sei unterstellt, daß sowohl der Landwirt – der mit Agrarchemie arbeitet – als auch der Ökobauer ansonsten keine fachlichen Fehler machen.

In der objektiven Qualität der pflanzlichen Produkte gibt es dann keine Unterschiede. Das haben viele Untersuchungen bewiesen. Es können sogar die Produkte des Ökobauern schlechter sein. Wenn dieser den fehlenden Mineraldünger z.B. nicht durch stärkere Zufuhr von Humusdünger ausgleicht, kann der Mineralstoff- und Vitamingehalt leiden. Aber wir sind ja von einem ansonsten fachkundigen Ökobauern ausgegangen, der diese Gefahr kennt und daher mehr Humusdünger einsetzt.

Beide Landwirte erzeugen dann hochwertige Produkte, die ja auch generell den deutschen Bauern immer wieder bescheinigt werden.

Neben der Qualität ist aber auch der Ertrag je Flächeneinheit von großer Bedeutung. Es ist gesichertes Wissen, daß ohne Einsatz von Mineraldüngern langfristig der Ertrag deutlich sinken würde, vermutlich auf rund 50% des heutigen Niveaus. Der Ausgleich durch Humusdünger aus der Nachbarschaft scheidet aus, wenn flächendeckend kein Mineraldünger mehr benutzt wird.

Für die grünen Ideologen scheint der ohne Mineraldünger sinkende Flächenertrag kein Problem zu sein. Der deutlich geringere Flächenertrag würde aber weltweit riesige Probleme zur Folge haben. Wenn die Zahl der weltweit hungernden Menschen nicht um das mehrfache steigen soll, müsste man als Ausgleich für den sinkenden Ertrag die landwirtschaftliche Nutzfläche ausdehnen. Das könnte durch Umwandlung von Wäldern oder Naturschutzflächen in Äcker oder Grünland erfolgen.

Allerdings, wenn der Ertrag überall auf rund 50% des bisherigen Niveaus sinkt, benötigt man zum Ausgleich die doppelte landwirtschaftliche Nutzfläche. Die mitteleuropäischen Länder und Naturschutzflächen wären verschwunden. Und in den tropennahen Regionen müsste man zwangsläufig das Roden des Regenwaldes erheblich beschleunigen. Das vielbeklagte Waldsterben, das bei uns bislang im wesentlichen ausgeblieben ist, würde dann doch noch Wirklichkeit.

Haben die grünen Ideologen jemals an diese Folgen gedacht?

Hermann Heege
Bundesverband der Düngermischer e. V.